{"id":230,"date":"2011-10-03T21:03:55","date_gmt":"2011-10-03T19:03:55","guid":{"rendered":"http:\/\/s381971378.online.de\/?page_id=44"},"modified":"2011-10-03T21:03:55","modified_gmt":"2011-10-03T19:03:55","slug":"friedens-und-konfliktforschung","status":"publish","type":"page","link":"https:\/\/www.martin-arnold.eu\/?page_id=230","title":{"rendered":"Friedens- und Konfliktforschung"},"content":{"rendered":"<p><strong>Beschreibung des <strong>Forschungsprojekts<\/strong>:<\/strong><\/p>\n<h3>Einf\u00fchrung<\/h3>\n<p><em>Friedens- und Konfliktforschung\u00a0<\/em>soll dem Frieden dienen, das hei\u00dft nat\u00fcrlich: praktischer Friedensarbeit. In vielen Formen wird sie geleistet.\u00a0Dazu geh\u00f6ren unter anderem Zivile Konfliktbearbeitung, Mediation und Konfliktmanagement.\u00a0Mohandas K. Gandhi leistete mit seiner gewaltlosen Streitkunst Satyagraha einen gro\u00dfartigen Beitrag zu friedlicher Konfliktaustragung.\u00a0In verschiedenen Kulturen und Religionen wurden seit langem weltweit Erfahrungen gesammelt mit M\u00f6glichkeiten gewaltfreier, &#8222;<a href=\"http:\/\/www.guetekraft.net\/\" target=\"guetekraft\">g\u00fctekr\u00e4ftiger<\/a>&#8220; Konfliktbearbeitung.\u00a0<em>Intelligente Feindesliebe<\/em>\u00a0nennt Carl Friedrich von Weizs\u00e4cker sie.\u00a0Einige erfolgreich angewandte Konzepte wurden in diesem Forschungsprojekt genau untersucht, verglichen und zusammengef\u00fchrt.\u00a0Es sind die Konfliktbearbeitungskonzepte<\/p>\n<ul>\n<li>des Hindus Mohandas K. (&#8222;Mahatma&#8220;) Gandhi<\/li>\n<li>der Katholikin Hildegard Goss-Mayr<\/li>\n<li>des Sozial-Anarchisten und Freidenkers Bart de Ligt.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Konflikte machen auf Missst\u00e4nde aufmerksam. Daher bieten sie die Chance, Verh\u00e4ltnisse zu verbessern: das Ziel von gewaltlosem Widerstand, gewaltfreien oder\u00a0<a href=\"http:\/\/www.guetekraft.net\/\">G\u00fctekraft<\/a>-Aktionen. Die Friedensforschung legt hier ein Modell vor, das Grundlagen aller Formen von Friedensarbeit beschreibt.<\/p>\n<h3>1.) Ort des Projekts in der Friedens- und Konfliktforschung<\/h3>\n<p>Die &#8222;Erforschung der politischen, \u00f6konomischen, sozialen, psychischen, kulturellen und \u00f6kologischen Friedensursachen&#8220; erhielt in den 1990er Jahren in der deutschen Friedens- und Konfliktforschung hohe Priorit\u00e4t: Die <a lang=\"de\" title=\"Externe Verkn\u00fcpfung zur\" href=\"http:\/\/www.afk-web.de\/\" target=\"extern\">Arbeitsgemeinschaft Friedens- und Konfliktforschung<\/a> (AFK) nannte sie 1993 als erste Aufgabe der Friedensforschung (Senghaas Hg. 1995, 459), und es entstanden einschl\u00e4gige Beitr\u00e4ge z.B. von Tobias Debiel, Volker Matthies und Karlheinz Koppe. Zur Erforschung der diesbez\u00fcglichen Potenziale gewaltfreier Vorgehensweisen wurden 1997 das <a lang=\"de\" title=\"Externe Verkn\u00fcpfung zum\" href=\"http:\/\/www.ifgk.de\/\" target=\"extern\">Institut f\u00fcr Friedensarbeit und Gewaltfreie Konfliktaustragung<\/a> IFGK und 1998 die <a lang=\"de\" title=\"Externe Verkn\u00fcpfung zur\" href=\"http:\/\/www.guetekraft.net\/\" target=\"extern\">Arbeitsgruppe G\u00fctekraft<\/a> gegr\u00fcndet. Vorschl\u00e4ge von FriedensforscherInnen aus verschiedenen L\u00e4ndern f\u00fcr Forschungsprogramme mit der gleichen Zielsetzung liegen seit den 1950er Jahren vor (z.B. Janis, Katz, Naess). Die M\u00f6glichkeiten konstruktiver Konfliktbearbeitung auch durch nichtstaatliche Akteure werden seit einigen Jahren deutlicher in den Blick genommen; das gilt sowohl in der Gesellschaft (z.B. <a lang=\"de\" title=\"Externe Verkn\u00fcpfung zur\" href=\"http:\/\/www.konfliktbearbeitung.de\/\" target=\"extern\">Plattform Zivile Konfliktbearbeitung<\/a>, als auch von der Politik (z.B. <a lang=\"de\" title=\"Externe Verkn\u00fcpfung zum\" href=\"http:\/\/www.ziviler-friedensdienst.org\/\" target=\"extern\">Ziviler Friedensdienst<\/a>. Das Projekt steht wie weitere von der <a lang=\"de\" title=\"Externe Verkn\u00fcpfung zur\" href=\"http:\/\/www.bundesstiftung-friedensforschung.de\/\" target=\"extern\">Deutschen Stiftung Friedensforschung <\/a> gef\u00f6rderte Vorhaben (z.B. von \u00a0Hajo Schmidt, Christine Schweitzer, Ulrich Ratsch &amp; Sabine Klotz) in diesem Zusammenhang.<!--more--><\/p>\n<h3>2.) Ort des Projekts in der G\u00fctekraft-Forschung<\/h3>\n<p>Mit dem Begriff <a href=\"http:\/\/www.guetekraft.net\/wasist_index.html\" target=\"inhalt\">G\u00fctekraft<\/a> werden als Friedensursachen die positiven Ver\u00e4nderungspotenziale gewaltfreier Vorgehensweisen fokussiert (s.u.). Diese untersucht die G\u00fctekraft-Forschung. Die folgende Grafik veranschaulicht das Gesamtkonzept der G\u00fctekraft-Forschung, die grau markierten Bereiche beziehen sich auf das aktuelle Forschungsprojekt, das Vorstellungen bestimmter Personen erhebt, hier &#8222;ProtagonistInnen&#8220; genannt:<\/p>\n<dl class=\"wp-caption alignleft\" id=\"attachment_124\" style=\"width: 545px;\">\n<dt class=\"wp-caption-dt\"><a href=\"http:\/\/s381971378.online.de\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/graphic_forschung1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"size-full wp-image-124\" title=\"G\u00fctekraft-Forschung\" alt=\"Grafik zur G\u00fctekraft-Forschung\" src=\"http:\/\/s381971378.online.de\/wp-content\/uploads\/2011\/10\/graphic_forschung1.jpg\" width=\"535\" height=\"304\" \/><\/a><\/dt>\n<dd class=\"wp-caption-dd\">Grafik aus: Fuchs, Albert; Arnold, Martin: &#8222;Ein vielseitiges Forschungsvorhaben&#8220; in: &#8222;G\u00fctekraft erforschen&#8220; S. 69, dort weitere Erl\u00e4uterungen<\/dd>\n<\/dl>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Das Projekt tr\u00e4gt zur &#8222;Rekonstruktion der Lehre&#8220; von der G\u00fctekraft bei, wobei \u00fcber die &#8222;Lehre&#8220; im engeren Sinne hinaus das gesamte Denken der ProtagonistInnen einbezogen wird, und es werden erste Schritte in Richtung theoretischer Kl\u00e4rung unternommen.<\/p>\n<h3>3.) Problemstellung<\/h3>\n<p>Als zentrale Frage bei der Beurteilung von Methoden der Friedensarbeit darf die nach ihrer Wirksamkeit angesehen werden. Dies gilt auch f\u00fcr solche Vorgehensweisen, die sich der Gewaltfreiheit verpflichtet wissen: Wie weit kann gewaltfreies Vorgehen in politischen und gesellschaftlichen Konflikten als wirksam gelten? Um die Frage zu beantworten, braucht es Klarheit, was mit &#8222;gewaltfrei&#8220; gemeint sei.<\/p>\n<p>Eine Grundschwierigkeit h\u00e4ngt mit der \u00fcblichen Sprechweise zusammen: Wer das in Frage stehende Handeln konsequent nur als gewaltfrei oder gewaltlos bezeichnet, also rein negativ definiert, der muss die beobachtete Wirkung eines bestimmten Handelns auf etwas Nichtbenanntes, Abwesendes zur\u00fcckf\u00fchren. Das macht offenkundig keinen Sinn. Demgegen\u00fcber beruht die Idee der Untersuchung auf der Beobachtung, dass die meisten ProtagonistInnen gewaltfreier Aktion positive Begriffe benutzen, die gleichsam &#8222;Prototheorien&#8220; (Albert Fuchs) dar\u00fcber enthalten, was im gewaltfreien Handeln wirkt.<\/p>\n<p>Mohandas K. Gandhi etwa bildete f\u00fcr die, wie er meinte, uralte Sache den neuen Begriff &#8222;Satjagrah&#8220; (H\u00e4ufig ist auch die englische Schreibweise zu lesen: <em>satyagraha<\/em>); \u00dcbersetzungen des Sanskrit-Wortes sind wegen des unterschiedlichen kulturellen Hintergrunds immer nur \u00dcbertragungen: G\u00fctekraft, Festhalten an der Wahrheit, auch von ihm als &#8222;soul force&#8220; erkl\u00e4rt. (Gandhi 1928, 103) Seine Theorien dazu blieben unsystematisch.<\/p>\n<p>Andere, ebenfalls relativ neue Bezeichnungen in anderen L\u00e4ndern, mit \u00e4hnlicher Praxis verbunden, deuten ebenfalls auf andere als g\u00e4ngige Verstehensmuster f\u00fcr bestimmte Arten von Verhalten speziell in politischen Konflikten: z.B. &#8222;strength to love&#8220; &#8222;St\u00e4rke zu lieben&#8220; (Martin Luther King), &#8222;Alay Dangal&#8220; [Tagalog:] &#8222;W\u00fcrde anbieten&#8220; (Philippinen), &#8222;Der Dritte Weg&#8220; (Walter Wink), &#8222;Politik der G\u00fcte&#8220; (Dalai Lama).<\/p>\n<p>Auch in Bem\u00fchungen der <strong>Friedens- und Konfliktforschung<\/strong> gibt es neue Bezeichnungen, z.B. &#8222;integrative power&#8220; (K. E. Boulding, der es erkl\u00e4rt als: \u201ethe power that arises from persuasion &#8211; the ability to invoke loyalty, respect, affection, love\u201c, zit. nach Koppe 2001, 260); &#8222;unverletzende Selbstbehauptung&#8220; (Marsal 1997); &#8222;Das entscheidende Element einer solchen Kultur des Friedens k\u00f6nnte in der Tat das sein, was unter dem Begriff der &#8222;G\u00fctekraft&#8220; bereits wirkt, wenn auch noch nicht erkannt ist.&#8220; (Koppe 1999).<\/p>\n<p>Das Gemeinte wird hier mit dem Arbeitsbegriff &#8222;G\u00fctekraft&#8220; benannt. Die positiven Ver\u00e4nderungspotenziale von Vorgehensweisen werden in den Blick genommen, die nicht die Sch\u00e4digung der anderen Seite intendieren. &#8211; Wie wirkt die G\u00fctekraft mit welchen M\u00f6glichkeiten und unter welchen Bedingungen, und was sind ihre Grenzen? Dies ist bis heute kaum erforscht worden. Vermutlich hat die g\u00e4ngige Negativ-Benennung zu dem Mangel an Wirkungsforschung beigetragen. Die Beantwortung erfordert mehr als eine Forschungsarbeit. Hier wird nach den Vorstellungen von Menschen gefragt, die Erfahrungen damit und Konzepte dazu entwickelt haben.<\/p>\n<p><a name=\"4\"><\/a><\/p>\n<h3>4.) Ziele<\/h3>\n<p>Durch das Erreichen von zwei Zielen soll ein Beitrag zur Theoriebildung gewaltfreier Praxis \/ G\u00fctekraft erarbeitet werden:<\/p>\n<dl>\n<dt>Erstes Ziel<\/dt>\n<dd>Es soll eine Beschreibung bestimmter Konfliktbearbeitungskonzepte aus verschiedenen weltanschaulichen Traditionen erstellt werden, und zwar Konzepte von Menschen, die in gesellschaftlichen oder politischen Konflikten auf gewaltfreie \/ g\u00fctekr\u00e4ftige Weise wirksam waren; die Beschreibung soll die jeweiligen religi\u00f6sen bzw. ideologischen Hintergr\u00fcnde angemessen ber\u00fccksichtigen und besonders die Frage nach den Vorstellungen von der Wirkungsweise des g\u00fctekr\u00e4ftigen Vorgehens beantworten, d. h. wie sich diese Personen jeweils vorstellten und vorstellen, wie die eingesetzten Mittel zur erhofften Wirkung kommen.<\/dd>\n<dt>Zweites Ziel<\/dt>\n<dd>Vergleich und Hypothesen: Diese Konzepte sollen nach den jeweiligen Vorstellungen \u00fcber die Wirkungsweise des g\u00fctekr\u00e4ftigen Vorgehens miteinander verglichen und &#8211; so weit es die inhaltlichen Erkenntnisse aus dem Vergleich erm\u00f6glichen &#8211; Hypothesen \u00fcber die Wirkungsweise der aktiven Gewaltfreiheit \/ G\u00fctekraft entwickelt werden. Sie sollen im Zusammenhang vorhandener Theorien diskutiert werden.<\/dd>\n<\/dl>\n<p><a name=\"5\"><\/a><\/p>\n<h3>5.) Erwartete Forschungsergebnisse und Relevanz der Studie<\/h3>\n<p>Das Projekt soll einen Beitrag zur Erforschung von Wirkungsweisen, Reichweite und Grenzen der gewaltfreien Aktion leisten. Erhofftes Ergebnis ist ein weiterf\u00fchrender Beitrag zur Entwicklung eines qualifizierten G\u00fctekraft-Begriffs.<\/p>\n<p>Er soll Anregungen f\u00fcr die weitere Forschung bieten im Blick auf die Theorie gewaltfreier Aktion und deren konzeptionelle Eigenart und auch im Verh\u00e4ltnis zu sozialwissenschaftlichen Theorien. Dadurch kann auch das vor allem in Deutschland schwierige Gespr\u00e4ch zwischen der politikwissenschaftlich gepr\u00e4gten <strong><em>Friedens- und Konfliktforschung<\/em><\/strong> und den Traditionen gewaltfreier Praxis neue Impulse bekommen.<\/p>\n<p>Aufgrund der bisherigen Aktionsfelder des g\u00fctekr\u00e4ftigen Vorgehens sind Erkenntnisse f\u00fcr Friedensarbeit auf allen Konfliktebenen zu erwarten.<\/p>\n<p>Damit l\u00e4sst sich die Studie den Bem\u00fchungen der UNO-&#8222;Dekade 2001-2010 f\u00fcr eine Kultur des Friedens und der Gewaltfreiheit f\u00fcr die Kinder dieser Welt&#8220; und der vom Weltkirchenrat initiierten &#8222;Dekade zur \u00dcberwindung von Gewalt&#8220; sowie vielen interreligi\u00f6sen wie auch nichtreligi\u00f6sen Initiativen zuordnen.<\/p>\n<p><a name=\"6\"><\/a><\/p>\n<h3>6.) Methoden, die zu den einzelnen Zielen f\u00fchren<\/h3>\n<h4>Grundlegung<\/h4>\n<p>Es handelt sich um eine interdisziplin\u00e4re Literaturarbeit in den Bereichen <em>Friedens- und Konfliktforschung<\/em>, Kommunikationswissenschaft, Religionswissenschaft, Philosophie und Theologie. Es geht im Wesentlichen um die Interpretation von Texten. Grundlegende Methodik ist damit die Hermeneutik.<\/p>\n<p>Vorausgesetzt ist: \u00dcber Vorgehensweisen in Konflikten gibt es in verschiedenen Kulturen und Traditionen Vorstellungen, wie auf aktive und zugleich gewaltfreie Weise konstruktive Konflikt-L\u00f6sungen oder -Regelungen zustande kommen k\u00f6nnen; diese Vorstellungen haben, wie aus den Beschreibungen von ProtagonistInnen leicht zu ersehen, jeweils weltanschauliche, d. h. religi\u00f6se oder ideologische Hintergr\u00fcnde.<\/p>\n<p>Arbeitshypothese: Sie haben wesentliche Gemeinsamkeiten.<\/p>\n<h4>Zu Ziel 1: Beschreibung von verschiedenen Konfliktbearbeitungskonzepten<\/h4>\n<p>Leitfrage: Welche konzeptionellen Antworten gaben und geben verschiedene Personen zu der Frage, auf welche Weise durch ihre T\u00e4tigkeiten der angestrebte soziale oder politische Wandel zustande kommen werde?<\/p>\n<h5>Datenbasis<\/h5>\n<p>Untersucht werden die Konfliktbearbeitungskonzepte folgender Personen:<\/p>\n<ul>\n<li>des Hindus Mohandas K. (&#8222;Mahatma&#8220;) Gandhi,<\/li>\n<li>der Katholikin Hildegard Goss-Mayr,<\/li>\n<li>des Anarcho-Sozialisten Bart de Ligt<\/li>\n<\/ul>\n<p lang=\"de\">Auswahlkriterien:<\/p>\n<p lang=\"de\">Dass die Konzepte dieser Personen in der Arbeit als &#8222;zentral&#8220; bezeichnet werden, ist aus dem Erfordernis der Formulierungsk\u00fcrze entstanden und meint nicht, dass andere Konzepte, Personen oder Weltanschauungen, auch etwa solche, die sich in indigenen Naturreligionen finden, von denen bislang kaum Schriftliches vorliegt, weniger interessant oder von geringerer Bedeutung w\u00e4ren. Die bedauerlich niedrige Zahl ist der Zeitbegrenzung geschuldet. Es wurden solche ProtagonistInnen bzw. Traditionen ausgew\u00e4hlt, die<\/p>\n<ol type=\"1\">\n<li>in den Selbstaussagen ihre Vorgehensweise als gewaltfrei (oder \u00e4quivalent, auch positiv m\u00f6glich) bezeichnen<\/li>\n<li>(f\u00fcr Ziel 2:) aus verschiedenen kulturellen bzw. religi\u00f6sen Zusammenh\u00e4ngen kommen und<\/li>\n<li>sowohl Theorien, wie auch<\/li>\n<li>g\u00fctekr\u00e4ftige Praxis, die damit verbunden, wirkungsvoll und nicht nur auf die Mikroebene bezogen ist, hervorgebracht haben. (Wegen dieses Kriteriums wurden z.B. Lao Tse und Konfuzius nicht aufgenommen, denn \u00fcber ihre Praxis ist zu wenig bekannt.)<\/li>\n<\/ol>\n<p lang=\"de\">Erl\u00e4uterungen:<\/p>\n<p>Es sind mehr Theorien bekannt, als Menschen, bei denen auch eine mit der Theorie verbundene Praxis gegeben ist. Diese sind jedoch hier interessanter, weil sie<\/p>\n<ul>\n<li>die M\u00f6glichkeit bieten, die Praxis bei der Betrachtung der Theorie einzubeziehen und dadurch evtl. Theorie-Teile besser zu verstehen;<\/li>\n<li>mit der M\u00f6glichkeit erkennbaren Erfolgs oder Misserfolgs einen Validit\u00e4tshinweis f\u00fcr die Theorie enthalten k\u00f6nnen; darum werden wirkungsvolle Beispiele vorgezogen;<\/li>\n<li>neben der Theorie auch die Praxis zu untersuchen; denn f\u00fcr die Theoriebildung k\u00f6nnen beide &#8211; auch ohne mit einander \u00fcberein zu stimmen &#8211; interessant sein;<\/li>\n<li>ansatzweise M\u00f6glichkeiten zur jeweiligen Theorie-Validierung bieten;<\/li>\n<li>die M\u00f6glichkeit bieten, andere Theorien als die eigene, z.B. als \u00fcbergreifend gedachte, an dieser Praxis zu validieren, was f\u00fcr Ziel 2.) interessant ist. Es werden nicht nur Konflikte auf der Mikroebene, sondern auf allen Konfliktebenen einbezogen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Weitere Auswahlkriterien sind nat\u00fcrlich, dass die ProtagonistInnen und Traditionen bekannt sind und relevante Ergebnisse erwarten lassen sowie die grunds\u00e4tzliche Zug\u00e4nglichkeit von einschl\u00e4gigen Schriften.<\/p>\n<p>Die getroffene Auswahl ist mit diesen Kriterien noch nicht als zwingend begr\u00fcndet, weil es weitere Personen neben den ausgew\u00e4hlten gibt, die die Kriterien erf\u00fcllen, z.B. Jeremy Milgrom, Vinoba Bhave, Dorothy Day, Rosemary Lynch, der Dalai Lama, Maha Gosananda, Danilo Dolci, C\u00e9sar Chavez, Lanza del Vasto, die Br\u00fcder Berrigan, Starhawk usw.; in der Auswahl liegt insofern auch ein subjektives Moment. Die Breite der Traditionenauswahl mag die Enge der Auswahl einzelner Pers\u00f6nlichkeiten aus diesen Traditionen relativieren.<\/p>\n<p>Zu Grunde gelegt werden<\/p>\n<ul>\n<li>Schriften von, \u00fcber und Interviews mit ProtagonistInnen<\/li>\n<li>Berichte aus der jeweiligen Praxis und<\/li>\n<li>Informationen, auch historische, zum jeweiligen weltanschaulichen Hintergrund, einschlie\u00dflich Sekund\u00e4rliteratur zu den ProtagonistInnen.<\/li>\n<\/ul>\n<h5>Methodik<\/h5>\n<p>Texte der ProtagonistInnen und Interviews mit ihnen werden interpretierend untersucht. Die Interpretation folgt den Regeln der Hermeneutik.<\/p>\n<ul>\n<li>Grundentscheidung: &#8222;Neben&#8220;, nicht &#8222;\u00fcber&#8220; den Texten stehen (tendenziell mit Gadamer- gegen Dilthey-Tradition), d. h.:<\/li>\n<li>Was Wirkungsweise jeweils hei\u00dft, ist den Texten selbst abzulauschen, d. h.:<\/li>\n<li>Es werden keine vorgegebenen (z.B. sozialwissenschaftlich erarbeiteten) Wirkungsweise-Vorstellungen (etwa &#8222;Eskalationssimulation&#8220;) als Metakonzept dem Fragen zu Grunde gelegt.<\/li>\n<li>Dieses Verfahren erfordert Bewusstheit \u00fcber den hermeneutischen Zirkel von Verstehen seitens des Forschenden und Aufsuchen von einschl\u00e4gigen Texten, das zu weiterem Verstehen und neuem Aufsuchen derselben und weiterer Texte f\u00fchrt. (Ein \u00e4hnliches Verfahren wird in der Psychologie bei der grounded-theory-Methode angewandt.)<\/li>\n<\/ul>\n<p>F\u00fcr die Wahrnehmungen des Forschenden spielt bei der Untersuchung nat\u00fcrlich seine gesamte Sozialisation mit, einschlie\u00dflich seiner Kenntnisse \u00fcber die einschl\u00e4gigen Theorien z.B. von Ebert, Gregg, Sharp usw. Bei der Arbeit im hermeneutischen Zirkel ist dies so gut wie m\u00f6glich bewusst zu machen und aufzudecken.<\/p>\n<h4>Zu Ziel 2: Vergleich und Hypothesen<\/h4>\n<p>Leitfrage: Welche Gemeinsamkeiten und Unterschiede finden sich in diesen Vorstellungen und was bedeuten diese?<\/p>\n<h5>Der erste Schritt zu Ziel 2: Vergleich<\/h5>\n<p lang=\"de\">a) Datenbasis<\/p>\n<p>bilden die mit dem ersten Ziel erreichten Darlegungen \u00fcber die jeweiligen Vorstellungen von der Wirkungsweise des g\u00fctekr\u00e4ftigen Vorgehens.<\/p>\n<p lang=\"de\">b) Methodik<\/p>\n<p>Der erste Schritt ist die Systematisierung, \u00e4hnlich wie bei Anwendung der grounded theory (klassische Anwendung ist wegen der Textf\u00fclle nicht m\u00f6glich): Zun\u00e4chst werden (in den jeweiligen Interpretationen gefundene) Begriffe, Worte und Inhalte zusammengestellt, die in den Wirkungsweise-Vorstellungen als tragend erscheinen. Dies dient dazu, (nach evtl. mehrstufiger Sichtung dieser Kategorien) operationalisierbare Kriterien f\u00fcr den Vergleich zu gewinnen.<\/p>\n<p>Beim Vergleich werden v.a. ethnologische Verfahren f\u00fcr den &#8222;interkulturellen Vergleich&#8220; angewandt. Dabei erfordert auch hier die spezielle Zielsetzung eine angepasste Vorgehensweise, die nicht immer der klassischen Methodik folgt. Es wird eine systematisierende Synopse erstellt.<\/p>\n<h5>Der zweite Schritt zu Ziel 2: Hypothesen<\/h5>\n<p>Die Interpretation der Synopse geht in verschiedene Richtungen, um Hypothesen \u00fcber Wirkungsweisen und -bedingungen der G\u00fctekraft gewinnen: Die Konzepte werden<\/p>\n<ol type=\"1\">\n<li>auf einander bezogen sowie<\/li>\n<li>auf ihre Beziehungen zu vorhandenen Theorien (von Gregg, Ebert, Sharp u.a.) und<\/li>\n<li>auf ihre \u00dcbertragbarkeit hin befragt.<\/li>\n<\/ol>\n<p><a name=\"7\"><\/a><\/p>\n<h3>7.) Hier verwendete Literatur<\/h3>\n<dl>\n<dt>Debiel, Tobias (2003):<\/dt>\n<dd>UN-Friedensoperationen in Afrika. Weltinnenpolitik und die Realit\u00e4t von B\u00fcrgerkriegen. Bonn: Dietz<\/dd>\n<dt>Ebert, Theodor (4. Aufl. 1981):<\/dt>\n<dd>Gewaltfreier Aufstand. Alternative zum B\u00fcrgerkrieg. Waldkirch: Waldkircher.<\/dd>\n<dt>Ferdowsi, Mir A.; Matthies, Volker (2003):<\/dt>\n<dd>Den Frieden gewinnen. Bonn: Dietz<\/dd>\n<dt>Gandhi, Mohandas K. (1972 [1928]):<\/dt>\n<dd>Satyagraha in South Africa. Ahmedabad: Navajivan Publishing House<\/dd>\n<dt>Gregg, Richard B. (4. Aufl. 1982):<\/dt>\n<dd>Die Macht der Gewaltlosigkeit. Gladenbach: Hinder + Deelmann<\/dd>\n<dt>Janis; Katz (1959):<\/dt>\n<dd>The reduction of intergroup hostility. Research problems and hypotheses. In: Journal of Conflict Resolution, 3. Jg., H. 3 (1), S. 85-100.<\/dd>\n<dt>Koppe, Karlheinz (1999):<\/dt>\n<dd>Mit der G\u00fctekraft die Friedensursachen erforschen. In: gewaltfreie aktion, H. 121, S. 70-72 (vergriffen, <a href=\"http:\/\/www.guetekraft.net\/gkerforschen\/index.html\" target=\"extern\">online<\/a>)<\/dd>\n<dt>Koppe, Karlheinz (2001):<\/dt>\n<dd>Der vergessene Frieden. Friedensvorstellungen von der Antike bis zur Gegenwart. Opladen: Leske + Budrich<\/dd>\n<dt>Marsal, Eva (1997):<\/dt>\n<dd>Unverletzende Selbstbehauptung. Das Karlsruher Jugendtraining. Leske + Budrich<\/dd>\n<dt>Naess, Arne (1958):<\/dt>\n<dd>A systematization of Gandhian ethics of conflict resolution. In: Journal of Conflict Resolution, 2, S. 140 &#8211; 155<\/dd>\n<dt>Senghaas, Dieter (Hrsg. 1995):<\/dt>\n<dd>Den Frieden denken. Si vis pacem, para pacem. Frankfurt am Main: Suhrkamp<\/dd>\n<dt>Sharp, Gene (1973):<\/dt>\n<dd>The Politics of Nonviolent Action. Boston: Porter Sargent<\/dd>\n<\/dl>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Beschreibung des Forschungsprojekts: Einf\u00fchrung Friedens- und Konfliktforschung\u00a0soll dem Frieden dienen, das hei\u00dft nat\u00fcrlich: praktischer Friedensarbeit. In vielen Formen wird sie geleistet.\u00a0Dazu geh\u00f6ren unter anderem Zivile Konfliktbearbeitung, Mediation und Konfliktmanagement.\u00a0Mohandas K. 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